Wie Data Tech datenbasierte Werbung ermöglicht

Wie Data Tech datenbasierte Werbung ermöglicht Technologien und Strategien für Data-driven Marketing

Im Werbemarkt geben heute Daten den Takt an. Klar, dass da Data Technology eine Schlüsselrolle spielt. Die Tools helfen Ihnen dabei, Daten aus unterschiedlichen Quellen zu sammeln, zu verknüpfen und zu analysieren. Das ermöglicht Ihnen, die Kundenreise datenbasiert mit Werbung zu begleiten und crossmediale Kampagnen gezielt zu orchestrieren.

Illustration von digitalen menschlichen Figuren aus Partikeln und Lichtspuren
Datentechnologien sind die Basis für datengetriebene Werbestrategien.

Derzeit gibt es mehr als 15'000 Marketing-Technology-Tools. Zu diesem Schluss kommt zumindest die vielbeachtete MarTech Map der beiden MarTech-Experten Scott Brinker und Frans Riemersma. Gegenüber der ersten MarTech Map aus dem Jahr 2011 bedeutet das eine Verhundertfachung der Instrumente. Diese Entwicklung macht deutlich: Technologien aller Art werden im Marketing immer wichtiger. Dazu zählt auch die Data Technology, kurz Data Tech.

Was versteht man unter Data Tech im Marketing?

Der Begriff bezeichnet die Gesamtheit an Technologien, die Daten im Marketing sammeln, verknüpfen und analysieren. Data Tech bildet heute das Rückgrat einer datengetriebenen Kommunikation – und macht es erst möglich, dass Marketingtechnologien ihr Potenzial entfalten.

Im Werbemarkt nimmt Data Tech eine Schlüsselrolle ein:

  • Sie schafft Transparenz über die Wirkung einzelner Kanäle,
  • ermöglicht die präzise Orchestrierung von Kampagnen über digitale und physische Touchpoints hinweg und
  • legt die Basis für Personalisierung in Echtzeit.

Angesichts fragmentierter Zielgruppen, neuer Suchmöglichkeiten mit KI sowie steigender Erwartungen an die Relevanz von Werbung ist Data Tech nicht nur ein technisches Hilfsmittel, sondern ein strategischer Enabler für die crossmediale Kommunikation.

Lange war die Nutzung vieler Datentechnologien den Spezialisten vorbehalten. Heute sei das anders, erklärt Giampiero Beroggi, Experte für Datenanalyse und Professor an der Fachhochschule Graubünden: «Wer Auto fährt, muss ja auch nicht Thermodynamik studiert haben. Vereinfacht gesagt reicht es, Gas geben, bremsen und steuern zu können. Genauso ist es mit Data Tech: Man braucht die Bereitschaft, sich seriös einzuarbeiten und den Umgang mit den Tools zu lernen. Die Codes und Berechnungsmodelle muss man aber nicht mehr zwingend verstehen. Deshalb sind die Tools auch für KMUs zugänglich geworden.»

Was bedeuten die Begriffe MarTech, Data Tech, KomTech und AdTech?
Drei häufige Fragen zu Data Tech

Wozu dient Data Tech im Marketing?

Crossmediale Kommunikation bedeutet heute weit mehr, als Botschaften über mehrere Kanäle hinweg auszuspielen. Entscheidend ist, dass die einzelnen Kontaktpunkte aufeinander abgestimmt sind und im Zusammenspiel wirken. Genau hier setzt Data Tech an: Sie verbindet Daten aus unterschiedlichsten Quellen und bringt sie in einen gemeinsamen Kontext. Zu diesen Datenquellen zählen neben CRM-Systemen, Webseiten und Social Media auch physische Kanäle wie Mailings sowie stationäre Points of Purchase.

«Durch die Analyse der Daten können Marketingteams nachvollziehen, wann und wie Kontakte mit der Marke stattfinden», erklärt Ingo Gächter, Datenforscher und Dozent an der Hochschule Luzern. «Sie verstehen besser, welche Rolle der jeweilige Touchpoint spielt und wie sich Massnahmen gegenseitig verstärken oder kannibalisieren.» So lasse sich die Kundenreise erfassen, auswerten und abbilden – vom ersten Impuls über die Informationssuche und den Vergleich von Angeboten bis hin zum Kaufentscheid und zur After-Sales-Phase, die wesentlich über die Loyalität entscheidet.

Die entscheidenden Werbemomente bestimmen

Diese datenbasierte Aufgabe nennt sich Customer Journey Mapping. Sie ermöglicht es, die Zielgruppe nutzerzentriert und kontextbezogen anzusprechen: «Unternehmen können ihre Botschaften so steuern, dass sie im richtigen Moment, über die relevanten Kanäle und passend zum aktuellen Kontext ausgespielt werden», so Ingo Gächter. Oder anders gesagt: Ohne Data Tech bleibt die crossmediale Kommunikation fragmentiert – mit ihr entsteht eine orchestrierte Customer Journey auf Basis konsistenter Daten.

Data Tech im B2B-Umfeld
Customer Data Platform
Datenanreicherungs- und Intent-Data-Plattformen
Aktivierungs- und Orchestrierungstools
Analyse- und Reportingtools

Fünf typische Einsatzbereiche von Data Tech im Werbemarkt

Data Tech wird für vielfältige Anwendungen eingesetzt – von der Zielgruppenanalyse bis zur dynamischen Preisgestaltung. Ein Grundsatz sollte laut Giampiero Beroggi aber immer gelten: «Don’t outsource your Brain!» Damit meint er, dass Unternehmen und Marketingteams eigenes Know-how aufbauen sollten. Denn nur dann können sie «auf Augenhöhe mit MarTech-Anbietern und Beratern arbeiten und heikle Abhängigkeiten vermeiden.»

1. Zielgruppenidentifikation und Personalisierung
2. Crossmediale Orchestrierung
3. Automatisierung
4. Optimierung des Mediamix
5. Dynamische Preis- und Angebotsgestaltung

Voraussetzungen für datengestütztes Marketing

Die Technologien zum Sammeln, Speichern, Analysieren und Verarbeiten von Daten bringen also viele Möglichkeiten und Vorteile mit sich. Doch wie können Marketingteams Data Tech effektiv implementieren? «Die grössten Hürden liegen weniger in den Technologien selbst, sondern darin, wie sich Unternehmen organisatorisch für Data Tech aufstellen und wie sie mit ihren Daten umgehen», so Manuel Dömer, Studiengangleiter Data Science an der ZAHW. Deshalb sollten die Marketingteams zuerst folgende Voraussetzungen schaffen:

Datensilos überwinden: Viele Unternehmen verfügen zwar über wertvolle Daten – doch diese sind über verschiedene Systeme verteilt: Kundendaten im CRM, Daten zu Klicks und somit zu Interessen im Newsletter-Tool, Umsätze im ERP. Solange diese Daten nicht miteinander verbunden sind, bleibt der Blick auf die Kundinnen und Kunden bruchstückhaft. Deshalb erstaunen die Ergebnisse einer im Jahr 2025 weltweit durchgeführten Befragung des Softwareunternehmens Qualtrics wenig: Von den mehr als 700 teilnehmenden Marketing-Führungskräften aus grossen Unternehmen sagen 56 Prozent, durch fragmentierte und uneinheitliche Datenquellen überfordert zu sein. Folglich vertrauen zwei Drittel der Befragten bei wichtigen Entscheidungen immer noch auf ihr Bauchgefühl. Erst wenn die Daten aus verschiedenen Quellen zusammengeführt werden, entsteht eine solide Grundlage, um Entscheidungen datenbasiert zu treffen.

Was ist Data Anxiety?

Datenqualität sicherstellen: Dubletten sowie fehlerhafte und veraltete Daten führen zu falschen Schlüssen – und damit zu ineffizienter Werbung. Deshalb braucht es einen klaren Prozess für die Datenpflege sowie Lösungen, um die Aktualität der Daten laufend sicherzustellen.

Daten standardisieren: Häufig erheben Unternehmen Daten in unterschiedlichen Formaten. Die systematische Klassifizierung und Strukturierung von Daten ist daher eine zentrale Voraussetzung, um Data Tech sinnvoll einsetzen zu können.

Schnittstellen und Integration von Systemen meistern: Technisch gesehen ist Data Tech nur dann wirkungsvoll, wenn die wichtigsten Systeme miteinander verbunden sind – von CRM und ERP über Marketing-Automation-System bis hin zu AdTech-Plattformen. «Diese Integration erfordert oft erhebliche Ressourcen und viel technisches Know-how», so Manuel Dömer. «Doch der Aufwand lohnt sich, damit Schnittstellen reibungslos funktionieren und Datenflüsse nicht ins Stocken geraten.»

Komplexität bei Data Tech reduzieren: Der Aufbau einer datengetriebenen Marketingarchitektur ist komplex. «Unternehmen beschränken sich daher besser auf einige wenige Data-Tech-Tools, die sie dafür im Griff haben und die ihnen nachweislich einen Mehrwert bieten», rät Ingo Gächter. «Gerade KMUs empfehle ich: Weniger ist mehr. Macht das, was ihr macht, richtig und konsequent.»

Datenschutz und Compliance sicherstellen: Die Nutzung von Daten im Marketing unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben. «Datenschutz mag lästig sein. Aber wer transparent und fair mit personenbezogenen Daten umgeht, schafft Vertrauen. So wird Privacy zum Wettbewerbsvorteil», sagt Ingo Gächter.

Rollen festlegen und gemeinsames Verständnis schaffen: Im Umgang mit Data Tech sind in der Regel verschiedene Kompetenzen gefragt. So braucht es zum Beispiel für die Modellierung von Vorhersagen Personen mit fundierten Kenntnissen in Statistik und maschinellem Lernen. Gleichzeitig sind Fachspezialisten unverzichtbar, die über tiefgehendes Wissen in einem spezifischen Gebiet verfügen. Damit diese unterschiedlichen Rollen erfolgreich zusammenarbeiten können, braucht es laut Manuel Dömer ein gemeinsames Verständnis. «Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Data Literacy oder Datenkompetenz. Das meint die Fähigkeit, Daten zu sammeln, zu lesen, zu verstehen, kritisch zu bewerten und zu kommunizieren.»

Organisatorischen Wandel gestalten: «Die Implementierung von Data Tech ist einerseits ein Technologieprojekt, andererseits aber immer auch ein Change-Prozess», sagt Manuel Dömer. «Nicht nur der Einsatz neuer Technologien bringt einen Wandel mit sich. Auch neue Daten und die daraus gewonnenen Erkenntnisse können weitreichende Implikationen haben. Denn oft beeinflussen sie Prozesse, Strategien oder sogar Geschäftsmodelle.» Die Mitarbeitenden müssen verstehen, wie datengetriebene Kommunikation funktioniert, welche Vorteile sie hat und wie sie die eigene Arbeit verändert. Dazu braucht es Schulungen und eine Kultur, die datenbasierte Entscheidungen fördert.

Gezielte Angebote dank Echtdaten

Rund 1,6 Millionen Privatkunden in der Schweiz haben der Post ihre Zustimmung erteilt, Angebote von Drittfirmen zu erhalten. Bisher ist das Targeting für diese Personen anhand von First-Party-Daten erfolgt: Die Post analysiert Daten wie Klickverhalten, Kaufhistorie oder Nutzungsdaten und ermittelt daraus mithilfe statistischer Modelle Affinitäten.

Neu ergänzt die Post die First-Party-Daten durch Informationen, die die Kundinnen und Kunden ihr bewusst und freiwillig überlassen. Diese Zero-Party-Daten werden einerseits durch das Hinterlegen von Interessen und andererseits durch Umfragen generiert. Ein aktuelles Beispiel: Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt wurde mehr als eine Million Personen, die Angebote Dritter erhalten wollen, zum Thema Autokauf befragt. Sie äusserten sich unter anderem zu präferierten Marken, zeitlich gelagerten Kaufabsichten und ihrem Budget für ein Auto.

Das Resultat dieser schweizweit einzigartigen Umfrage: Statt lediglich Annahmen zu treffen, welche personalisierten Angebote interessant sein könnten, stammen die Angaben dafür (z. B. präferierte Automarken und Antriebsarten) nun direkt von den Kundinnen und Kunden selbst. Das ermöglicht hochrelevante Angebote genau im richtigen Moment.

Wichtig dabei: Die Post verkauft keine Adressdaten dieser Personen. Stattdessen führt Swiss Post Advertising komplette, datengetriebene Crossmedia-Kampagnen für Anbieter aller Art in der Autobranche durch.

Nach der Befragung für die Autobranche sind bereits weitere Umfragen in Planung. Im Fokus stehen Themen wie etwa das Wohnen, die eine längere Entscheidfindung mit sich bringen und die Schweizer Bevölkerung bewegen.

Ingo Gächter

ist Dozent und Forscher für KI, Daten und Kommunikation am Institut für Kommunikation und Marketing der Hochschule Luzern.

Portrait Ingo Gächter

Giampierro Beroggi

ist Experte in den Bereichen Big Data, Data Science, Datenanalyse und KI. Er lehrt an der Fachhochschule Graubünden.

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Manuel Dömer

leitet den Studiengang BSc Data Science an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW.

Portrait Manuel Dömer

Aldo Gnocchi

ist Dozent für Digitales Marketing an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW sowie Gründer und Inhaber von Gnocchi & Friends, einem AI-first Digital Collective.

Portrait Aldo Gnocchi

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